Genderneutral formulieren: Warum „Frau“ und „Herr“ passé ist
Springen Sie kurz mit mir zurück ins Jahr 2022: Die Deutsche Bahn wurde verklagt. Nein, nicht wegen einer Verspätung, sondern weil keine genderneutral formulierte Anrede existierte. Wie die Geschichte ausging und was das mit Ihrem Unternehmen zu tun haben könnte, erfahren Sie in diesem Beitrag. #divers
Vielfalt als Normalität anerkennen
Lassen Sie uns weitere vier Jahre zurückgehen: Im Jahr 2018 wurde das Personenstandsgesetz geändert. Nun war es möglich, sich für den Geschlechtseintrag divers zu entscheiden. Vorher konnte man zwischen männlich, weiblich und dem Offenlassen des Eintrags wählen.
Für Menschen, die sich weder als weiblich noch als männlich definieren, war das ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Offiziell wurde damit Vielfalt als Normalität anerkannt.
Natürlich sollen solche Gesetze auch in unserer Gesellschaft ankommen und im Alltag gelebt werden. Dazu gehört, dass beispielsweise in Shops eine genderneutral formulierte Anredemöglichkeit etabliert wird.
Bis 2022 konnte man bei der Deutschen Bahn beim Kaufen eines Tickets keine neutrale Anrede wählen. Erst als das Unternehmen verklagt wurde und das Oberlandesgericht Frankfurt entschied, dass der Zwang, sich zwischen Frau und Herr zu entscheiden, diskriminierend ist, wurde die Bahn aktiv.
Seit einigen Jahren kann man jetzt beim Buchen eines Tickets auch eine genderneutral formulierte Anrede wählen. – Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Formulieren Sie genderneutral?
Divers ist keine Anrede
Genau solche Fälle zeigen, wie wichtig eine gerechte Sprache in der Unternehmenskommunikation geworden ist. Besonders Formulare, Verträge, Shops und automatisierte Anreden geraten zunehmend in den Fokus.
Die gesetzliche Lage ist ein Grund zum Handeln, aber auch Höflichkeit und Respekt spielen eine große Rolle. Wenn es uns sprachlich möglich ist, sollten alle Menschen so angesprochen werden, wie sie sich das wünschen. Das Schöne ist, dass uns unsere Sprache viele Möglichkeiten bietet, genderneutral zu formulieren.
Bedenken Sie dabei, dass divers eine Möglichkeit des Geschlechtseintrags ist, aber keine Anredeform. Dennoch sehe ich immer wieder, dass man als Anredeform auch divers wählen kann. Das ergibt wenig Sinn.
Alternative Anredeform
Eine Möglichkeit ist es, stattdessen ein freundliches Guten Tag vor den Vor- und Nachnamen zu setzen:
Guten Tag, Kim Klein,
Beachten Sie dabei, dass nach Guten Tag ein Komma steht.
Wenn Sie und Ihr Unternehmen lässiger unterwegs sind, können Sie sich auch für das Grußwort Hallo entscheiden:
Hallo, Kim Klein,
Hallo Kim Klein,
Das Komma nach Hallo muss nicht zwingend gesetzt werden. Laut Duden ist diese Anrede sowohl mit als auch ohne Komma korrekt. Ich empfehle es dennoch.
Gendergerechte Texte für Ihr Unternehmen
Die Idee für diesen Beitrag bekam ich nach Abschluss eines Auftrags. Ein Vertrag war im sogenannten generischen Maskulinum gehalten. Sie wissen schon: Mit der männlichen Form sind alle Geschlechter mitgemeint.
Dass mitgemeint nicht mitgedacht ist, ist inzwischen bekannt. Auch deshalb sollte ich den Vertrag so bearbeiten, dass er in drei Varianten funktioniert: für Frauen, Männer und Menschen, die sich als divers bezeichnen.
Sie möchten Verträge, Formulare oder Ihre Unternehmenskommunikation genderneutral formulieren? Ich unterstütze Sie dabei, Texte verständlich, professionell und genderneutral formuliert zu erstellen – passend zu Ihrem Unternehmen und Ihrer Zielgruppe. Schreiben Sie mir für ein unverbindliches Erstgespräch.
PS: Gerade flattert ein Feedback meiner Ansprechperson in mein Postfach: „Wow, ich bin begeistert. Alle drei Versionen sind super geworden.“ #hach
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